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Ausstellungstipp: Claudia Skoda – dressed to thrill

Die Berliner Designerin Claudia Skoda hat zweifellos ein besonderes Talent, die richtigen Menschen zur richtigen Zeit kennenzulernen. Zu ihren Freundinnen und Freunden zählen Ulrike Ottinger, Tabea Blumenschein und Martin Kippenberger, sie kannte und kennt David Bowie und Ralf Hütter von Kraftwerk, sie wurde von Esther Friedman und Jim Rakete fotografiert. Ihre Modenschauen, in denen sie ihre gestrickten Entwürfe, Musik, Licht und Bewegung zusammenbrachte – Jahre bevor Modepräsentationen als Gesamtkunstwerke in der Branche üblich wurden – sind daher gut dokumentiert. Die aktuelle Ausstellung im Berliner Kulturforum (Claudia Skoda – dressed to thrill, noch bis 29. August) kann sich daher auf viele Fotos und Filmaufnahmen stützen und ist weniger eine Ausstellung über die Modedesignerin Claudia Skoda (die immer auch sehr tragbare Strickkleider, Pullover und Accessoires entwarf), sondern eine Ausstellung über die Multimedia-Künstlerin Claudia Skoda und die West-Berliner Kunstszene der 80er Jahre.

Aus der Kollektion “Veits Fights”, 1983

Interessant fand ich, wie Claudia Skoda Mitte der 70er Jahre scheinbar wie aus dem Nichts auftaucht. Schon das älteste Kleid, das in der Ausstellung gezeigt wird, ein Kleid aus Viskose-Baumwollgarn von 1976, zeugt von großer technischer Raffinesse und handwerklicher Perfektion: Das längsgestreifte Rockteil erhält seine ausgestellte Form durch verkürzte Reihen, das Oberteil ist “fully fashioned” auf Figur gestrickt, das heißt die nötigen Weitenveränderungen werden durch das Zunehmen und Abnehmen von Maschen im Strickstück erreicht, der Stoff wird dreidimensional an den Körper geformt.

Aus der Kollektion “Big Birds”, 1979

In einem kurzen Fernsehbeitrag aus dieser Anfangszeit ist Claudia Skoda zu sehen und zu hören, wie sie mit mädchenhafter Stimme erzählt, sie habe zuerst Stricksachen nur für sich selbst gemacht, dann für Freundinnen, und daraus habe sich das Geschäft dann so langsam entwickelt. Zufall, Glück, irgendwie reingerutscht – man möchte es nicht glauben und noch weniger die Reporterfragen hören, die tatsächlich in den wenigen Minuten zweimal nachfragen, ob man denn davon leben könne.

In einem Fernsehbeitrag einige Jahre später, Claudia Skoda lebte und arbeitete inzwischen mit befreundeten Künstler*innen in Kreuzberg in der “fabrikneu”, spricht scheinbar eine andere Frau mit einer anderen Stimme: Energisch erklärt sie den Fernsehleuten die Arbeitsteilung in dieser Wohn- und Arbeitsgemeinschaft und weiß offensichtlich ganz genau welches Bild sie in der Öffentlichkeit abgeben möchte. In den frühen 1980ern beginnen auch die aufwendigen Modenschauen, für die die Fabrik bald zu klein wird und die man in der Ausstellung nacherleben kann.

Hose “Jazz”, Kollektion “Laufsteg”, 1978 (Detail)

Die textile Seite der Mode Claudia Skodas, das Handwerkliche, das Material, auch der Entwurfsprozess, spielen in dieser Ausstellung nur eine Nebenrolle, aber die etwa 15 Outfits werden an Puppen so gezeigt, dass Vorder- und Rückseite betrachtet werden können, und bei den flach präsentierten Stücken kommt man so nahe heran, dass man Details gut erkennen kann.

Manchmal gibt es zu einem Modell gleichzeitig auch eine Fotografie, die das Stück bei einer Modenschau oder an einer Kundin zeigt, und da erkennt man dann, wie wesentlich der Körper für Claudia Skodas Mode ist: Strickkleider erhalten ihre eigentliche Form erst durch den Körper, den sie bekleiden und leben von seinen Bewegungen – schlackert das Kleid an einer starren Size-Zero-Puppe, der es etwas zu groß ist, geht viel von seiner Wirkung verloren.

Die Ausstellung Claudia Skoda – dressed to thrill läuft noch bis zum 29. August im Berliner Kulturforum.

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Sprechen wir über Fasern

Auch das können Kunstfasern: Alyene Barker näht im Mai 1973 mit Hilfe dreier Kolleg*innen ein Sonnenschutzsegel für das Skylab der NASA. Der Sonnenschutz besteht aus drei Lagen: aluminiumbeschichtetes Mylar (eine Art Polyesterfolie), in der Mitte laminiertes Ripstop-Nylon, dünner Nylonstoff darunter. Foto: NASA, CC BY-NC 2.0

Liebe Leserinnen und Leser,

“sind Naturfasern besser als Kunstfasern?” ist eine Frage, die mir bei Materialworkshops oft gestellt wird und unter anderem über diese Frage sprach ich mit Meike Rensch-Bergner in der zweiten Folge unserer gemeinsamen Staffel des “Passt”-Podcast von Crafteln.de über Textilien, Kleidung und Mode.

“Es kommt ganz darauf an”, lautet dievorsichtige (und kluge) Antwort, denn letztlich hängt die Bewertung eines Materials davon ab, zu welchem Zweck es verwendet werden soll und welche Anforderungen es erfüllen muss. Vor der Erfindung der ersten Kunstfasern Ende des 19. Jahrhunderts stammte jede Faser, die zu Textilien verarbeitet wurde, aus einer natürlichen Quelle – sie wurde landwirtschaftlich angebaut und geerntet wie Baumwolle und Leinen, Tiere wurden dafür aufgezogen wie Seidenraupen und Wollschafe. Wie andere Agrarprodukte auch unterlagen die Fasern in Menge und Qualität natürlichen Schwankungen, waren von Wetter und Klima abhängig. Missernten vernichteten nicht nur Nahrungsmittel, sondern auch Faserpflanzen. Der Baumwollanbau erforderte viel Feldarbeit, damit die Pflanzen gediehen; erst in den späten 1940er Jahren konnten die Fasern maschinell gepflückt werden. Schafe und Seidenraupen konnten krank werden, sie brauchten Futter und Pflege.

Die Möglichkeit, aus einfachen Grundstoffen wie Zellulose und Erdölbestandteilen Fasern in konstanter Qualität und nahezu unbegrenzter Menge herstellen zu können, das ganze Jahr hindurch, sieben Tage die Woche, revolutionierte die Textilindustrie. Sie ermöglichte die Demokratisierung der Mode – und sorgt gleichzeitig für das Überangebot an billiger Kleidung, das heute hinsichtlich Ressourcenverbrauch und Entsorgung ein Problem darstellt. Durch die Beimischung synthetischer Fasern werden oft die Eigenschaften von Naturfasern verbessert: Stoffe knittern weniger, sind elastisch, scheuerfester und pflegeleichter – andererseits setzen synthetische Stoffe oft Mikroplastik frei, Mischgewebe lassen sich so gut wie nicht recyceln und werden am Ende ihrer Lebendauer zu nicht wiederverwertbarem Müll. Der Baumwollanbau hat schon ganze Landstriche verwüstet – aber auch die Grundbestandteile synthetischer Fasern sind endlich, die Produktion verbraucht Wasser und Energie und setzt Stoffe frei die schädlich sind, wenn sie in die Umwelt gelangen.

Sicher ist, dass der Bekleidungsbedarf der Welt nur duch Naturfasern nicht mehr zu decken wäre – aktuell bestehen rund 70 Prozent aller weltweit produzierten Textilfasern aus synthetischen Polymeren, was ein Blick in den eigenen Kleiderschrank vermutlich bestätigt.

In der aktuellen Podcastfolge 81 sprechen Meike und ich unter anderem über natürliche und künstliche Fasern, Strategien für den Stoff- und Kleidungskauf und Merkmale guter Stoffqualität. Die Folge kann man direkt hier anhören, auf der Seite des Passt-Podcasts von Crafteln und man findet den Podcast überall, wo es Podcasts gibt.

Bis bald!

Constanze Derham

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Sprechen wir über Textilien

Liebe Leserinnen und Leser,

wozu braucht man Bücher über Textilien, Kleidung und Mode? Gibt es dazu überhaupt so viel zu sagen?

Das werde ich tatsächlich häufig gefragt und meine These ist: Ja, unbedingt. Textilien sind in unserer Kultur allgegenwärtig und so elementar wie Essen und Trinken. Jede*r nutzt täglich Textilien, jede*r konsumiert sie, Textilien sind mit das erste, das andere Menschen von uns wahrnehmen. Auch die unabhängigste Person folgt beim Sichkleiden bestimmten Regeln und Kriterien. Was wir tragen hat etwas mit uns zu tun, mit der Person, die wir sind, mit der Person, die wir sein wollen, mit unserer Umgebung, mit unseren Lebensumständen, mit unseren sozialen Beziehungen. Textilien waren mit dem Menschen auf dem Mond, auf dem Meeresgrund und auf dem Mount Everest.

Textilien haben den Lauf der Geschichte mitgeprägt, Handelsbeziehungen etabliert, technologischen Fortschritt angestoßen, unsere Umwelt verändert. Der großen Bedeutung von Kleidung und Textilien für unsere Gesellschaft steht aber ein zunehmend geringeres Wissen über Materialien, Herstellungsweisen, Textilqualitäten, Textilpflege gegenüber.

Dabei wäre dieses Wissen gerade jetzt so nötig, um weniger Textilien zu verbrauchen, Kleidung besser zu pflegen und länger zu nutzen. Nach Schätzungen ist die Herstellung von Kleidung und Schuhen derzeit für 10 Prozent der CO2-Emissionen weltweit verantwortlich – von Wasserverschmutzung, der Ausbeutung der Hersteller*innen und dem Müllproblem ganz abgesehen.

Wollen wir das Klimaproblem und das Gerechtigkeitsproblem lösen, müssen wir unseren Textilkonsum zurückschrauben, weniger und besser Textilien konsumieren und unser Verhältnis zur Kleidung ändern – so, wie wir uns heute Gedanken machen, wo und unter welchen Umständen Lebensmittel produziert werden.

Dies ist nur einer der Gründe, warum ich mich für die Verbreitung von Textilwisssen engagiere. Über die sozialen Aspekte von Kleidung haben wir damit noch nicht gesprochen: Über Mode, über Kleidung als Ausdruck der Persönlichkeit, über Kleidung als soziale Konvention, die mit dem Bild zusammenhängt, das unsere Gesellschaft von Körpern und Geschlechtern hat.

Über das vielschichtige Thema Kleidung, Mode und Textilien unterhalte ich mich in den nächsten Wochen als Gast im “Passt-Podcast” von Meike Rensch-Bergner – Crafteln. Den Podcast findet man bei den üblichen Podcastanbietern, die erste Folge der Staffel hier bei Crafteln: Kleidung im Gespräch – 1. Folge oder auch direkt hier:

Am kommenden Donnerstag, 24. Juni gibt es um 20.30 Uhr zusätzlich die Gelegenheit, sich mit Meike und mir direkt via Zoom über das Thema Textilien auszutauschen. Den Link zum Gesprächsraum gibt es hier bei Crafteln, Fragen und Themenwünsche können gerne vorab an Meike oder an mich (cd @ texte-und-textilien.de) geschickt werden.

Vielleicht hören und sehen wir uns dann? Ich würde mich freuen!

Herzlich, Constanze Derham

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Willkommen!

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

Willkommen auf der neuen Seite! Wir freuen uns sehr, unsere Bücher hier nicht nur präsentieren, sondern nun auch, wie lange gewünscht, im Onlineshop direkt anbieten zu können. Wie immer nach einem Umzug fehlen hier und da noch Kleinigkeiten und im Laufe der Zeit wird sich eventuell noch einiges ändern – meistens merkt man ja erst nach einem halben Jahr in der neuen Wohnung, wo noch eine Lampe fehlt. In der nächsten Zeit werden zunächst weitere Zahlungsmöglichkeiten und der Versand nach Österreich und in die Schweiz dazu kommen.

An dieser Stelle wird es künftig um Textilien und Bücher und Bücher über Textilien gehen: Themen, die uns bei der Arbeit an neuen Titeln beschäftigen, Nebenstränge zu unseren Büchern, die wir hier weiterverfolgen, Entdeckungen, Neuigkeiten und Veranstaltungen. Ich freue mich, wenn Sie mich bzw. uns dabei begleiten!

Herzlich, Constanze Derham